Zum 100. Geburtstag von Hans Luz
Zum 100. Geburtstag von Hans Luz

Landschaftsarchitektur als Stadtidee

Am 10. Juni 2026 wäre Hans Luz 100 Jahre alt geworden. Dieser Geburtstag ist mehr als ein Anlass zur Erinnerung an einen bedeutenden Landschaftsarchitekten: Er ist auch eine Gelegenheit, auf ein Werk zu blicken, das insbesondere die Stadt Stuttgart bis heute prägt: Parks, Wege, Übergänge, Gärten und Stadträume, die nicht als einzelne Anlagen gedacht waren, sondern als zusammenhängende Landschaft. 

Hans Luz verstand Landschaftsarchitektur als Stadtidee – als Kunst, vorhandene Orte zu lesen, sie weiterzubauen und für die Menschen nutzbar zu machen.

Hans Luz wurde am 10. Juni 1926 in Stuttgart geboren und starb am 9. April 2016. Er stammte aus einer schwäbischen Gärtner- und Weingärtnertradition. Die Wurzeln der Familie lagen im handwerklichen Umgang mit Topografie, Trockenmauern, Treppen, Gärten und Reblandschaften, für Hans Luz zeitlebens prägend - sein Vater Karl Luz war Gartenarchitekt. Dadurch verband sich für Ihn ein modernes Verständnis von Stadt, öffentlichem Raum und Landschaft. Nach einer Gärtnerlehre bei Adolf Haag in Stuttgart folgte eine Ausbildung im Zeichnen und Entwerfen bei Otto Valentien. 1956 der erste Schritt in die Selbstständigkeit, woraus 1961 das Büro Luz + Partner, Freie Landschaftsarchitekten gegründet wurde, das in dieser Form bis 1998 bestand. 

Die Bürogeschichte prägt bis heute die Geschichte des Planungsbüros: Nach Hans Luz führte sein Sohn Christof Luz das Werk unter dem Namen Luz Landschaftsarchitektur über 20 Jahre weiter, das heute als Luz Landschaftsarchitektur Planungsgesellschaft mbH durch die langjährigen Mitarbeiter Werner Krüger und Manuel Schurr weiter besteht. Die Geschichte des Büros von Karl Luz über Hans Luz und Christof Luz wird so bis in die Gegenwart geführt und ist dabei keine bloße Abfolge von Namen, sondern eine Haltung: Landschaft wird nicht als Restfläche verstanden, sondern als gestaltende Kraft der Stadt.

Das Werk und der damit verbundene Lebensweg von Hans Luz war von außergewöhnlicher Breite. Er plante private Gärten, Wohnanlagen, öffentliche Grünanlagen, Plätze, Fußgängerzonen, Hochschul- und Klinikfreiräume, Gartenschauen und Landschaftsräume. Sein Wirkungsraum reichte von der Region Stuttgart, über ganz Baden-Württemberg und darüber hinaus. Zu seinen wichtigen Arbeiten zählen Großprojekte in Stuttgart-Hohenheim, die das Stuttgarter Stadtbild prägende Bundesgartenschau 1977 und die darauf aufbauende Internationale Gartenbauausstellung 1993 in Stuttgart, Arbeiten für das Bundeskanzleramt, internationale Projekte wie der deutsche Pavillon auf der Weltausstellung in Osaka 1970, sowie zahlreiche weitere Planungen im öffentlichen und halböffentlichen Raum. Auch als Lehrer und Fachautor prägte Luz mehrere Generationen unter anderem als Lehrbeauftragter und Honorarprofessor an der Universität Stuttgart 1973. Er war Mitglied der Akademie der Künste in Berlin und Mannheim sowie der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung. Auszeichnungen wie der Fritz-Schumacher-Preis, der Deutsche Landschaftsarchitekturpreis, das Bundesverdienstkreuz und der Friedrich-Ludwig-von-Sckell-Ehrenring würdigten die Bedeutung seines Werks weit über Stuttgart hinaus.

Im Zentrum seines Schaffens steht jedoch das „Grüne U“ – die großflächige, durchgängige Stuttgarter Park- und Grünverbindung. Hans Luz beschrieb das „Grüne U“ als einen Gesamtpark, in dem „Parks, Gärten, Gütle, Reste und Zwickel, Vorhandenes, Neues, Übriggebliebenes und fast Vergessenes“ zu einem Ganzen zusammenfinden.

Neben dem „Grünen U“ und weiteren prägenden Großprojekten zeigte sich seine Fähigkeit, Freiräume nicht als Beiwerk zur Architektur zu behandeln. Für Hans Luz war der Außenraum ein eigenständiger Bestandteil des Entwurfs – oft sogar der Ort, an dem Architektur, Stadt und Landschaft erst zusammenfinden. Eine Haltung, welche die Bürogeschichte bis heute prägt. Die Arbeit von Karl Luz, Hans Luz und Christof Luz bildet keinen abgeschlossenen historischen Abschnitt, sondern einen Auftrag. Die heutige Luz Landschaftsarchitektur Planungsgesellschaft mbH steht in dieser Tradition: Genau hinsehen, den Ort verstehen, vorhandene Qualitäten stärken, Übergänge schaffen und Landschaft als tragende Struktur begreifen.

Zum 100. Geburtstag von Hans Luz erinnern wir deshalb nicht nur an einen großen Stuttgarter Landschaftsarchitekten. Wir erinnern an einen Menschen, der seine Stadt kannte, liebte und mit kritischer Aufmerksamkeit gestaltete. Sein Werk zeigt, dass Landschaftsarchitektur mehr leisten kann als die Gestaltung einzelner Grünflächen. Sie kann Stadtteile verbinden, Geschichte bewahren, Bewegung ermöglichen und einer Stadt ein Bild von sich selbst geben.

Das „Grüne U“ ist Hans Luz’ großes Vermächtnis. Es ist ein Parksystem, ein Stadtraum, ein Spazierweg, ein Stück Gartenkultur und zugleich eine Idee von Stuttgart. Wer heute vom Schlossplatz zum Killesberg geht, bewegt sich durch ein Lebenswerk. Und wer weiter in Richtung Wald wandert, versteht vielleicht am besten, was Hans Luz meinte: Die Stadt endet nicht am Rand der Bebauung. Sie findet ihre Qualität dort, wo Architektur, Garten, Landschaft und Alltag miteinander verbunden sind.